Honig, das am dritthäufigsten gefälschte Produkt

Honig, das am dritthäufigsten gefälschte Produkt

Die weltweite Honigproduktion kann mit der aktuellen Nachfrage nicht mithalten. Da der Honig schwierig zu prüfen ist, nutzen Betrüger diese Chance und exportieren Tonnen von gefälschtem Honig in die ganze Welt. Die EU importiert 40% ihres Honigs. 

Selbst mir wurde, als ich einem internationalem Netzwerk über Honig beigetreten bin, innerhalb von 2 Stunden unverhandelt folgendes Angebot geschickt. Ich möchte hier niemanden etwas unterstellen, aber der Preis gibt schon zum Nachdenken.

…das sind rund 1,69€/kg –
$ Kurs vom 2.September 2020

Es gibt verschiedene Methoden, um den Honig zu verfälschen. Die am häufigsten verwendeten Methoden sind das Beimischen von Sirup zum Strecken des Honigs und das verfrühte Ernten des Honigs mit einem zu hohen Wassergehalt. 

Beimischen von Sirup

Echter Honig wie vom Imker enthält Pollen von den Blüten, welche die Bienen besucht haben. Dadurch kann die Herkunft des Honigs genau bestimmt werden. Ein normales Filtern nach der Verarbeitung entfernt Wachsreste und andere, nicht erwünschte Partikel. Bei industriell verarbeitetem Honig gehen durch Ultrafiltration und Erhitzen bei diesem Prozess nicht nur Pollen, sondern auch wertvolle Proteine und Enzyme verloren. Anschließend können dann dem ultrafiltrierten Honig (ich würde dieses Produkt nicht mehr als Honig bezeichnen) weitere billige Sirupe wie z.B. Reis-, Rübenzucker- oder Maissirup beigemengt werden. Diese Mischung kann man dann echtem Honig beimischen und diesen damit strecken.

Ernte von unreifem Honig

Eine weitere Methode, um den Ertrag zu erhöhen ist die Ernte von „unreifen“ Honig. Um qualitativ guten Honig herzustellen, wird der Honig erst mit einem Wassergehalt von unter 18% geerntet. Die Reduktion des Wassergehaltes des Honigs erreicht die Biene durch das Auffächern mit ihren Flügeln. Den richtigen Zeitpunkt für die Ernte des Honigs stellt der Imker durch die Verdeckelung der Honigwaben, bzw. durch die Spritzprobe sicher. Bei Honig über 22% besteht die Gefahr, dass er zu gären beginnt. Durch die Zugabe von Aromastoffen, kann ein Honig mit weitaus höherem Wassergehalt geerntet werden. Eine Ernte zu einem früheren Zeitpunkt spart Zeit und Geld, ist aber in unseren Breiten nicht erlaubt. Außerdem würde Honig viele seiner guten Eigenschaften verlieren.

Die Folgen der Honigfälschung

Ungeachtet, dass man als Konsument schwer die Hönigfälschung erkennen kann, hat der Kauf von Honigen zu Dumpingpreisen schwerwiegende Folgen für die heimischen Imker, das Ökosystem und die Konsumenten. Der wahre Wert der Honigbiene liegt nicht im Wert des geernteten Honigs, sondern in der Bestäubungsleistung, welche den Wert des Honigs um das 10-15 fache übersteigt. Ist der Imker durch die Dumpingpreise gezwungen, die Imkerei aufzugeben, werden auch die Bienen in den entsprechenden Regionen verschwinden. Dies führt zu erheblichen Ernteeinbußen und letztendlich zu Verteuerungen der Lebensmittel. 

Link: Erträge mit und ohne Bienenbestäubung

Link: Die Bestäubungsleistung der Honigbiene

Woher kommt der gefälschte Honig

Laut Berichten kommt der größte Teil des Honigs aus China. Der Honigexport stieg zwischen 2000 und 2014 um 88%, bei einer Zunahme der Bienenvölker um 21%. Die Zunahme der Bienenvölker ist einfach zu gering, um den Anstieg der Honigexporte zu rechtfertigen.